Freitag, 20. Mai 2016

Was ist schön oder die Frage nach der Norm?




Was ist schön?

Was empfindet man selbst als schön oder als absolut gar nicht schön?

Ich stelle diese Frage bewusst so wie sie gemeint ist. Nur auf das Äußere eines Menschen oder einer Sache begrenzt.

Kein „jaaaa aber innerlich bist Du schön“ oder „aber praktisch ist es auf jeden Fall“. 



Rein das eigene Wahrnehmen von Schönheit.
Für mich hat diese Art der Schönheit auch was mit Ästhetik zu tun.

Es geht nicht darum wie viel eine Person wiegt, sondern wie damit umgegangen wird. Wie vorteilhaft diese sich kleidet, oder ob der Gesamteindruck gepflegt erscheint oder nicht.

Da ist auch völlig egal wo die Zone liegt die ich persönlich vielleicht nicht so schön finde. Ist es eine zu kleine oder eine zu große Oberweite, ist es der dicke Bauch oder sind es sehr dünne Beine?

Ebenso kann man das auf Gegenstände umlegen. Es gibt Schuhe die sind einfach sooooo schön aber drin laufen ein Ding der Unmöglichkeit, genauso gibt’s echt gruselige Tretter die ich nie im Leben anziehen würde, egal wie gesund sie sein mögen.

Häuser können einen in ihren Bann ziehen, gerade WEIL  sie alt und unperfekt sind aber auch weil sie einem nicht gefallen. Weil man sich denkt „WAS IST DAS und wer will darin freiwillig wohnen?“.

Keiner von uns bewertet Menschen und Dinge nicht nach dem Aussehen.
 Das ist nun mal der „erste Eindruck“.

Ich würde lügen wenn ich sagen würde ich bin begeistert wenn ich die Hälfte meines Sitzplatzes im Zug mit meinem Neben“mann“ teilen  darf. Nein, bin ich nicht. Ich finde es unangenehm. Denn dabei wird mein persönlicher „Wohlfühlbereich“ überschritten. Ich mag keine Berührungen von Fremden, genauso wenig mag ich es wenn mir jemand in der UBahn in den Nacken atmet (oder gar Schlimmeres). Sorry, so was geht gar nicht und in dem Moment ist es mir völlig egal wie dieser Jemand aussieht.

Aus vielen kleinen Facetten, bilden wir uns einen ersten Eindruck, bewerten wir immer in irgendeiner Weise, so wie es eben in unserer ureigenen Natur liegt.
Wir sind alle Ergebnisse unserer Erziehung und den Erfahrungen, die wir gemacht haben. Je älter ich werde, desto ausgeprägter merke ich das.

Desto unbequemer werde ich aber auch. Ich sehe es überhaupt nicht mehr ein immer den Mund zu halten. Des lieben Friedens willen oder weil sich das so gehört. Aus dem Alter bin ich eindeutig raus und so kommen wir zum Ursprung dieses Postings.

Vor einigen Wochen kaufte ich mir die kreative Auskoppelung einer bekannten deutschen Frauenzeitschrift.
Ich fand das Modell auf dem Cover sehr schön und freute mich auf das Durchblättern und entscheiden was ich wann und wie nacharbeiten werde.

Kennt Ihr das? Dieses Gefühl Neues zu sehen, zu lesen und sich darüber zu freuen?

Eben das habe ich getan und bei näherem Betrachten festgestellt dass einige der Modelle nur für die Größen XS und S andere bis maximal Größe L veröffentlicht wurden.

XS und S??? XS hatte ich mit 14, S bis Anfang 20. Jetzt bin ich seit Jahren bei M (und wenn ich es einfach größer oder lockerer haben möchte auch mal bei L) angekommen.

Die durchschnittliche Größe einer deutschen Frau liegt angeblich bei einer Konfektionsgröße von 40-42. Ja, es gibt die ewig Schlanken aber sind wir mal ehrlich, allerspätestens ab 40 bleibt bei den meisten von uns mehr hängen. Gehen wir mal von einer 40 aus, das wäre nach Adam Riese eine L.

Wow, wie schön, es gab ein paar Modelle die könnten sich die meisten Frauen gerade noch so anfertigen. Der Rest, also ab Größe 42 hat Pech gehabt.

Gerade die S und XS Modelle ließen die Vermutung aufkommen, dass da eine Redaktion entschieden hat das so etwas definitiv NUR an Models gut aussieht, deshalb bleibt es bei den Größen.

Aber vielleicht möchte man das gerne selbst entscheiden?
Ist es eine gute Idee dass auch jungen Mädchen und Frauen zu vermitteln? Was, Ihr habt nicht XS oder S, puuuuh, ganz schlimme Sache.

Zum allerersten Mal hatte ich als Frau bezüglich des Gewichts das Gefühl diskriminiert zu werden. Ist das nicht ein Witz? Bei einer M???

Da ich kurze Zeit davor einige norwegische Strickbücher gekauft hatte und dort wirklich mit Freude  feststellen konnte dass es erstens die Anleitungen allesamt bis Größe XXXL gibt und außerdem wunderschöne Fotos mit Frauen außerhalb der Modelmaße und auch weit weg von L verwendet wurden.
Muss uns ein skandinavisches Land vormachen wie es geht? Dass jede Frau gerne das häkeln oder stricken können sollte, was ihr gefällt?

Also konnte ich den Mund nicht halten und habe die Redaktion angeschrieben. Über einen Monat bekam ich keine Antwort bis ich noch einmal etwas ungnädig „Keine Antwort ist auch eine Antwort“ hinterher schob.

Was denkt Ihr wurde mir mitgeteilt?

Die meisten werden es ahnen.

…verschiedene redaktionelle und formale Entscheidungen stecken hinter dieser Auswahl … trotzdem viel Spaß beim Nacharbeiten …

Äh ja … der netterweise hinzugefügte Link zu einer Anleitung wie man Modelle auch umrechnen kann, war für Strickanleitungen, es ging aber um eine Häkelanleitung. Spitzentipp, vor allem für Anfänger. Die werden schnell  wieder aufgeben.

Ein weiterer Nachsatz von mir, dass mich diese Entscheidungen interessieren würden, brachte mir den Hinweis ein, ich solle mich doch bitte an die Onlineredaktion wenden.

Glaubt Ihr dass ich überhaupt keine Lust mehr dazu hatte?

Wie kann eine Redaktion, die mit ihrer Stammzeitschrift gerade für „normale“ Models wirbt, so ein Konzept vertreten?
Ich sage ja nicht es muss bis XXXL gehen. Aber vielleicht bis XL oder XXL? Ist doch nicht so ungewöhnlich.

Sieht eine Frau mit den Maßen XXXL in einem Pulli schlechter aus als eine Frau die XS trägt?

DAS liegt immer im Auge des Betrachters und sollte jeder selbst und frei entscheiden können.

Wieder mal um einiges ernüchterter fange ich jetzt an jede Zeitschrift genau auf die Größen zu prüfen, bevor ich sie kaufe. Denn selbst wenn ich in der Norm liege, werde ich alles andere nicht unterstützen.

Alles Liebe
Eure
Mimi


Kommentare:

  1. Huhu Liebes,
    Du hast so vollkommen recht! Wie mich sowas aufregt! Du kennst mich. ...selbst eine Größe L kann sich hinter mir verstecken ;-))) und sowas ärgert mich maßlos. Zumal ich mich mit meinem Gewicht und meinem Aussehen wohlfühle. Soll ich dazu verdonnert sein, in Sack und Asche rum zu laufen????
    Und diese Zeitschrift hat sich ja nur zu deutlich von Magermodells distanziert und betont, nur noch Frauen "wie Du und ich" abzubilden. Ist ja nicht viel davon übrig geblieben, wie mir scheint.
    Tjaa....ein Hoch auf Skandinavien, die wieder einmal zeigen, wie es anders geht, wie mit so vielem.
    Ich danke Dir für den tollen Post und drück Dich ganz fest.
    Deine Barbara

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  2. Huhu liebe Mimi,
    da gebe ich Dir vollkommen recht: es liegt im Auge des Betrachters! Nicht immer ist eine Person XS schön, oft eine XXXL nicht häßlich. Ein Armutszeugnis ist es für die Zeitschrift, und auch für diejenige, die die Anwort geschrieben hat (denn selbst ein "er" hätte mehr Verständnis aufgebracht)...Da muss man also ehrlich genau hinsehen, denn da bin ich auch locker raus - mit L/XL...Dann wende ich mich auch lieber denen zu, die nicht solche Pauschal-Bewertungen durchführen. Wäre es doch wirklich ein Leichtes, die Anleitungen auch für größere Größen anzubieten. Oder meinetwegen eine Online-Anleitung für andere Größen.
    Aber zumindest eine vernünftige Antwort.
    Ganz liebe Grüße,
    Irina

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  3. Das find ich total stark von dir,dass du das gemacht hast.
    Ich hab mich diesbezüglich bei genau dieser Zeitschrift auch schon so geärgert.
    Frage mich regelmäßig, ob nur vollschlanke Frauen kreativ sind....
    Ich bin bei Größe L oder XL und gucke da oft dumm aus der Wäsche, wenn ich nach den angegebenen Größen in der Anleitung schaue.
    Ich kaufe seit langem schon nur noch Bücher, in denen gescheite Anleitungen für sämtliche Varianten des weiblichen Körpers angegeben sind und fahre sehr gut damit. Bisher hat immer alles super gepasst und ich freu mich tierisch über jedes Teil, das ich mir selbst fertige.
    Viele liebe Grüße an Dich, Angela

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  4. Toll liebe Mimi, du hast das super geschrieben, einfach auch mal den Mund aufmachen...
    Ich hab mal mit 12 Größe S getragen und zwischendrin dann immer M und nun längst eine L aber gut, ich gestehe mir auch die 40/42 in meinem hohen Alter zu, da muss ich nimmer 36 tragen, weil ich dann eh total faltig ausschau, ich handarbeite keine Kleidungsstücke und daher ist mir das bislang nicht aufgefallen, sonst hätte ich mich auch total geärgert, Stulpen passen immer und ansonsten bin ich ja mehr auf Plaids und Kissen programmiert ;-)....
    Aber es ist schon der Hammer wenn man da so ne Antwort bekommt.
    Liebe Grüße vom Reserl

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