Sonntag, 27. Dezember 2015

Wenn Zeit ein Geschenk ist - Mein Jahresrückblick 2015

Meine Lieben,

sicherlich habt Ihr mit Euren Lieben eine schöne Zeit, esst, redet, trinkt zusammen Kaffee oder Tee und freut Euch aneinander.


Die letzten Jahre haben mich verändert.

Erst der Auszug meines Sohnes mit noch nicht mal 16 Jahren, dafür brauchte ich lange Zeit, es ging mir immer wieder sehr schlecht. Der Körper hat um Hilfe geschrien, die Seele auch. Einschnitte im Leben erfordern es sie auch zu zu lassen und nicht weiter zu machen als wäre nichts passiert. 

In diesem Jahr hatte ich einen kleinen "Rückfall" doch danach ging es bergauf. Wirklich so dass ich gemerkt habe ich komme wieder zu Kräften in jeder Hinsicht.

Ich übe mich darin nicht gegen meine innere Überzeugung zu handeln, nur weil man das "nicht so macht" oder das "doch so nicht geht". Mir muss es damit gut gehen, nicht den anderen. Ich bin nicht der Fußabtreter der Nation und auch wenn es oft nicht leicht fällt, muss man Grenzen ziehen um weiterhin ernst genommen zu werden. Harmonie ist etwas Schönes aber nicht wenn man selbst mehr dafür investieren muss, als andere. 

Natürlich zieht dass Kritik und auch Vorwürfe nach sich, aber mit denen muss man rechnen und drüber stehen. Für sich selbst einstehen.

Im Rahmen der minidecki-Aktion hat sich mein Leben und mein Horizont erweitert. Ich habe Frauen aus Nigeria, Eritrea, Afghanistan und Syrien getroffen, viele Ehrenamtliche die sich enorm einsetzen aber natürlich auch Personen die das alles kritisch sehen. 

Auch da versuche ich nach meiner  Facon zu leben. Ich akzeptiere andere Meinungen, auch wenn es sicher nicht meine eigenen sind. Ich finde es traurig dass die einen meinen ständig betonen zu müssen dass sie sich für irgendetwas einsetzen und die anderen denken sie müssen sich rechtfertigen wenn sie sich für nichts einsetzen.

Ob es Obdachlose, Tiere, Flüchtlinge oder der Kuckuck in Papua ist ... wenn es jemandem ein Bedürfnis ist, soll er sich engagieren oder es lassen. Niemals würde ich jemanden anhand dessen beurteilen wollen und verbiete mir dass auch bei mir selbst.

Durch die Kontakte lerne ich viele Menschen kennen, lege viel an Hemmungen ab, gehe schneller auf Andere zu und habe nicht mehr so viel Angst vor Zurückweisung wie früher. 
Wenn es angenommen wird, gut, wenn nicht, auch gut.

Mit unserem CreativCafé versuchen wir ein wenig Abwechslung zu bieten. Mal wird es besser, mal schlechter angenommen. Aber man lernt Menschen kennen.

Manchmal über mehrere Ecken aber diese Begegnungen sind dann oft die überraschenden, schönen, für mich wahnsinnig bereichernden. 

Warum ich das mache, werde ich oft gefragt? Es wird vermutet ist schließe eine Lücke die mein Sohn hinterlassen hat (natürlich sagt mir das keiner ins Gesicht) oder weil ich auch so ein "Gutmensch" bin. Gerade über Letzeres kann ich langsam nur noch lachen.  

Es ist kein "Mitleid", es ist einfach das "Hineinversetzen" dass mich antreibt. Wenn ich mir vorstelle ich lande, nach einer wahren Odyssee in einem Land in dem ich die Sprache nicht spreche, die Schrift nicht lesen kann und kaum Kontakte nach außen habe, was in meinem Land die Freizeitbeschäftigung Nummer eins ist, wie würde es mir da wohl gehen? Ein Land in dem ich mit meiner Art als Frau zu leben anecken würde, in dem ich mich nicht mal beim einkaufen so weit verständigen kann, ich glaube da würde auch ich kaum vor die Tür gehen.

Wo bliebe mein Antrieb, was wäre mein Sinn im Leben wenn ich nicht mal kochen kann, weil es keine Möglichkeit dafür gibt?

Vor einigen Tagen habe ich die Erfahrung gemacht dass diese Frauen allein für ein wenig Zeit dankbar sind. Natürlich ist es anstrengend sich über Stunden mit Händen und Füssen verständlich zu machen aber auch das führt zu Situationen in denen man sich vor Lachen ausschüttet und eine Nähe entsteht, die nicht selbstverständlich ist. Und wenn dann die Aussage kommt heute wäre es so schön gewesen, zusammen zu sitzen, zu reden, zu lachen, Tee zu trinken, berührt mich das sehr.

Warum soll man nicht versuchen ein paar Worte in einer anderen Sprache zu sprechen, wenn man erwartet dass diese Menschen unsere Sprache lernen? Das führte zu großer Freude und Applaus.

Ja, es hat auch mir viel gegeben. Viel Freude, Einblicke in andere Leben, die Möglichkeit Fragen zu beantworten die klar machen dass unsere Kultur für diese Menschen auch nicht einfach zu verstehen ist. Warum wir nur so wenig Kinder haben, warum unsere Eltern allein leben und nicht bei uns, warum die Läden tagelang geschlossen bleiben, ob es stimmt dass man hier auch zusammen leben kann ohne verheiratet zu sein usw. Alles völlig ohne Vorurteile, einfach aus Interesse. 

Dieses Posting ist kein Aufruf es genauso zu machen. Macht es immer so, wie Ihr es für richtig haltet aber versucht vielleicht eine Frau nicht nur danach zu beurteilen ob sie ein Kopftuch trägt oder nicht. Das sind keine unterdrückten armen Frauen die von ihren Männern gesagt bekommen was sie zu tun und zu lassen haben. Diese Frauen sind stolz, hübsch, haben viel durchgemacht, so höflich dass es einem selbst schon fast peinlich ist, teilen das Wenige was sie haben mit einem und laden einen nebenher mal eben zum Essen ein, dass sie selbst für einen kochen möchten. 

Beurteilt einen Menschen nicht danach ob er dick oder dünn ist. Nicht jede dicke Person ist faul oder ist nur am essen. Egal was man von außen sieht, wer weiß was sich innen verbirgt?

Ich würde mir wünschen dass man jedem eine Chance gibt und da ist es völlig egal ob man sich auf eine Frau aus einem anderen Land einlässt, auf einen Obdachlosen der einem seine Geschichte erzählt, einen alten Menschen der einsam ist und "unsichtbar" geworden ist oder auf eine sozial schwache, alleinerziehende Mutter, die versucht sich selbst und ihre Kinder durchzubringen. Hinter jeder Person verbirgt sich ein Mensch. Mit eigenen Gefühlen, Erfahrungen und vielen Geschichten die ihn geprägt haben.

Jeder Mensch hat eine Daseinsberechtigung und damit meine ich eine Berechtigung zu leben und als Mensch gesehen zu werden. 

***

Es sind die Begegnungen mit Menschen,
die das Leben lebenswert machen.

(1850 - 1893), französischer Erzähler und Novellist

***

Vielleicht halten mich jetzt einige für "blauäugig", mir wird auch immer mal wieder geraten "weiter zu schlafen" oder es wird prophezeit "ich werde schon sehen was ich davon habe" aber auch das ist die Meinung von Menschen und die steht ihnen zu. Meine ist es nicht.

Meine Augen sind braun.
Mein Schlaf ist hervorragend.
Und ich sehe bereits was ich davon habe, etwas dass Vielen verwehrt bleiben wird.


In diesem Sinne
eine schöne Weihnachtszeit für Euch und Eure Lieben.

Eure
Mimi 




Kommentare:

  1. Meine Liebe,
    so wahre Worte!
    Du weißt, ich steh da voll hinter Dir und dem was Du tust.
    Du hast diese Zeit, die sehr schwer für Dich war, durchgestanden, hast "die Krone gerichtet" und gehst weiter. Ich bin sehr stolz auf Dich und werde auch im kommenden Jahr den Weg an Deiner Seite mitgehen.
    Auf immer
    Deine Barbara

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  2. Danke für die nachdenklichen Worte, sie werden bei mir sicherlich nachklingen.
    Auch ich versuche die " Krone" wieder aufzurichten-hatte ein sehr schweres Jahr(beide Eltern verstorben).
    Lasse uns positiv in die Zukunft schauen und vertrauen haben.
    RIKA

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  3. Liebe Mimi,
    so ein schöner Post. Ich glaube, wir sind uns sehr ähnlich. Ich
    wollte vor Weihnachten noch über einen Post über eine Flüchtlingsfamilie
    bei uns schreiben (mittlerweile sind es Freunde), aber leider lag ich bis
    24. mit Leistenbruch im Krankenhaus..... Mach einfach weiter so, Du hast
    das Herz an der richtigen Stelle!
    Glg Chrisitane

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  4. Hola amiga querida !! Espero que hayas tenido una bonita noche buena con tus seres queridos y este 2016 que recién comienza te depare muchas bendiciones
    Cariños

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  5. so scheeenund ehrlich gschrieben,,,,, mei muas woana,,,,
    na Gott sei dank berrührt mi des,,, weil genau so denk i ah,,,,,
    in da ARBEIT LÄCHELT i grad de AUSLÄNDER wia ma so scheeen sagt,,
    bsonder gern an,,, und mir fallt auf,,, wie DANKBAR sie san für ah LÄCHELN,,,,

    gebs mehr von deiner SORTE wärs FRIEDLICHER AUF dera WELT,,,
    druck di ganz fest,,,
    bis bald de BIRGIT

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  6. Ich bin hier eigentlich eine ganz stille Leserin, aber heute muss ich auch mal was "loswerden": so schön geschrieben und so wahr.
    Bleib dir auch weiterhin selbst treu.
    Liebe Grüße Silke

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  7. Liebe Mimi,
    sooo schön und soviel Wahres in deinen Worten. Wenn jeder nur ein bisschen mit anpacken würde, dann würde es für alle etwas "hyggeliger" sein....
    Du hast das Herz am rechten Fleck... lass Dich nicht verbiegen, bleib wie Du bist.
    Liebe Grüße aus dem Norden
    Tanja vom Krabbelkaeferchen

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  8. Schön Mimi. Einfach schön. :)

    Ganz lieben Seelen(sachen)gruß und mach weiter so, wie es für DICH gut ist!
    Nora

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  9. Hola amiga querida !! Espero que hayas tenido una bonita noche buena con tus seres queridos y este 2016 que recién comienza te depare muchas bendiciones
    Cariños

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  10. Liebe Melanie, das hast du wunderschön geschrieben. Es berührt mich sehr.
    Du bist auf dem richtigen Weg, dein Herz leitet dich.
    Ich wünsche dir für das neue Jahr viel Kraft, Freude und Gesundheit.
    Liebe Grüße an Dich, Angela

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