Mittwoch, 12. August 2015

Warum es so wichtig ist genau hinzuschauen

Meine erste persönliche Übergabe von 2 der genähten "minideckis"

Durch die Kontakte hier vor Ort und die damit verbundene Bedarfsabfrage an Decken, konnte ich einen Termin für meine erste, persönliche Übergabe von 2 Decken ausmachen.

Die Decken sollten bei zwei frisch geborenen Babys ihr neues Zuhause finden.

Decken genäht von b.tree! Vielen Dank für Deine Unterstützung

Zum vereinbarten Zeitpunkt wartete ich vor dem Haus, in dem die Mütter mit ihren Kindern untergebracht sind, auf die ehrenamtliche Mitarbeiterin, die dieses Haus betreut.

Wir betraten das Haus zusammen und ich war schon ein wenig neugierig wie es darin aussieht und wie die Frauen wohl sein werden.

Wir betraten eine Wohnung die in einzelne Apartments aufgeteilt ist. In jedem lebt eine schwangere Frau bzw. eine Mutter mit ihrem Kind. Die Zimmer sind wirklich hünsch und es befindet sich in jedem auch eine Kochgelegenheit.

Zuerst besuchten wir „Florence“ (Name geändert) und ihren kleinen Sohn. Florence sah mich offen und sehr freundlich an. Sie wusste dass ich mit einem Geschenk kommen würde, aber nicht mit was. Sie hat sich sehr gefreut und wollte ihren kleinen Sohn gleich wecken, damit er sein Geschenk sieht. Das war natürlich nicht nötig.

Während wir uns mit Florence unterhielten füllte sich nach und nach das Zimmer mit 2 weiteren schwangeren Frauen. Sie haben alle die Decke bewundert und wollten auch sofort ihre Deutschkenntnisse zum besten geben. Das war wirklich sehr süss.

Innerhalb dieser kurzen Zeit haben wir sehr gelacht und ich habe 3 wundervolle, herzerfrischende, offene und freundliche Frauen kennengelernt. Die Frauen strahlen teilweise große Würde aber auch eine ehrliche Herzlichkeit aus, die mich innerhalb von wenigen Sekunden sehr für sie eingenommen hat.

Mit vielen „Tschüss“ und „Auf Wiederseeehen“ verließen wir das Zimmer und besuchten das zweite Baby.

Die Mutter dieses Babys war sehr ruhig, schüchtern, in sich gekehrt aber ihre Augen leuchteten auf als ich ihr die Decke gegeben habe. Sie bedankte sich und wir zogen uns dann auch sehr schnell wieder zurück.

Warum ich das so schildere? Weil ich tatsächlich bei einer Übergabe zwei ganz unterschiedliche Reaktionen kennengelernt habe.

Überschwängliche Freude und Offenheit, ebenso wie Zurückhaltung. Ein sofortiges Gespräch bei dem man einiges von den Frauen erfährt und sehr wenig Kommunikation was sicherlich seine Gründe hat.

Die Frauen sind weit weg von zu Hause, einige bekommen völlig allein, ohne Familienmitglieder ihr erstes Kind und kennen es aus ihrem Kulturkreis völlig anders. Dort ist eine Frau nie allein wenn ein Baby kommt, vielmehr werden Kinder in einer Gemeinschaft aufgezogen.

Jede die bereits ein Kind geboren hat kennt den Babyblues der fast jede Frau irgendwann einholt. Wir werden aufgefangen, wir haben unsere eigene Mutter, Schwester, Freundin und unseren Partner und alle helfen uns darüber hinweg. Unsere Kinder werden in eine vorhersehbare Zukunft geboren.
Niemand von uns kann ermessen wir unterschiedlich die einzelnen Geschichten der Frauen sind. Was sie erlebt haben, wie sie damit klar kommen in einem völlig fremden Land zu leben. Die einen finden sich gut ein und freuen sich an jedem deutschen Wort mit dem sie zeigen können dass sie Freude daran haben, während andere Schwierigkeiten damit haben und sich eher zurückziehen.

Was mir dieses Aufeinandertreffen gezeigt hat? Dass es keinen Grund gibt diese Frauen mit Scheu, Skepsis oder gar Angst zu betrachten. Sie sind Frauen wie wir, Mütter wie wir, sie lachen miteinander und sie haben ihre Probleme die sie oft auch mit sich allein ausmachen.

Sie haben mit Sicherheit mehr Sorgen als wir, denn sie wissen oft nicht wie es dem Rest ihrer Familie geht, sie haben nicht die Möglichkeit kurzfristig in ihr Land zurück zu kehren wenn ein Familienmitglied erkrankt, sie wissen noch nicht wie es für sie weitergehen wird und leben in einer Unsicherheit die ich mir, gerade mit Kind, nicht vorstellen möchte.

Sie haben eine andere Hautfarbe, sprechen zu 95% eine andere Sprache, ihre Mentalität ist komplett anders als die deutsche … aber all das ist kein Grund sie nicht zu mögen oder ängstlich zu sein. Wir sollten versuchen ohne Vorurteile zu ihnen zu gehen, nicht zu beurteilen warum eine Mutter sich so offensichtlich freut und eine andere sehr zurückhaltend bleibt.

Auch wir sind alle völlig unterschiedliche Menschen. Die einen sind offen und haben wenig Hemmungen vor Fremden, andere sind introvertiert, zurückhaltend und eher abwartend. Jeder aus seinen Gründen heraus. Wenn wir das bei uns selbst und Freunden akzeptieren können, wieso dann nicht auch bei „Fremden“?

Mich hat dies alles sehr berührt und ich habe für mich festgestellt dass ich unbedingt mehr persönlichen Kontakt haben möchte. Weil es mich interessiert woher diese Frauen kommen, was ihre Geschichte ist, wie sie in ihrer Heimat leben und wieso sie ihre Kinder manchmal ganz anders erziehen als wir.

Durch einen Kontakt am Runden Tisch (ich berichtete bereits davon) habe ich Kontakt zu einer Frau die ab September Kreativkurse für Kinder anbieten möchte. Vielleicht auch für Erwachsene. Ich werde mich mit ihr unterhalten und bin gespannt was sich dadurch noch ergeben wird.

Bleibt offen, legt Erwartungen ab und seht wie es wirklich ist:

Wir sind alle nur Menschen, egal woher wir kommen, wie hell oder dunkel unsere Haut ist und welche Sprache wir sprechen. Wir sind alle einzigartig, mit unserer eigenen Persönlichkeit.

Macht Euch frei von Vorurteilen oder Ängsten, bleibt offen und wer weiß, vielleicht ist eine andere Sichtweise als die „deutsche“ manchmal gar nicht so schlecht und bereichert das eigene Leben.

Alles Liebe für Euch
Melanie

Actionteam Bayern
Freising

Kommentare:

  1. Liebe Mimi,
    das ist ein ganz wunderbarer Post! So ein wunderschönes Geschenk und was für eine unglaubliche Erfahrung. Vielen Dank, dass Du diese Erfahrung mit uns teilst. Du hast das Ganze so gut beschrieben, dass ich mich fast fühle, als wäre ich dabei gewesen :)
    Du sprichst mir mit Deinen Worten aus der Seele - wir sind alle Frauen, mit den gleichen Sorgen, Ängsten und Gedanken. Wenn wir uns einander zuwenden, dann können wir uns gegenseitig helfen und voneinander lernen. Wir müssen nur den Mut haben, den ersten Schritt zu wagen.
    Ich hoffe, Du wirst noch viele solcher schöner Erfahrungen machen und ich bin gespannt, welche Ideen sich vielleicht noch entwickeln.
    Alles Liebe auch für Dich,
    Beate

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  2. Ich finde es so toll was du machst!
    Aber auch wenn man nicht nähen kann oder so, es gibt sicher überall Möglichkeiten zu helfen. Ich habe jetzt bei uns einen Verein gefunden der Sprachunterricht, Fahrdienst usw. organisiert und auch Patenschaften für Familien vermitteln will. Da haben wir uns jetzt angemeldet. Ich hoffe, dass es dann nach unserem Urlaub klappt. Das ist schon sehr persönlich und man sollte es sich schon gut überlegen, weil ich denke, wenn man so was macht sollte es nicht nur um Begleitung bei Terminen usw. gehen sondern man sollte auch das eigene Leben öffnen. Ich bin schon sehr gespannt!
    Auf jeden Fall kann jeder helfen - z.b. fragen, was gebraucht wird, bei uns sind es auch Kinderfahrräder, die auch von den Flüchtlingen repariert werden...
    Und wenn es nur ein Lächeln ist, wenn man mal einen Flüchtling trifft, dass sie merken, dass nicht alle dagegen sind, dass sie da sind .- das kostet weder Zeit noch Geld ;)
    Alles Liebe,
    Lisa

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  3. Liebe Mimi,
    das hast du wirklich schön geschrieben. Es tut mir wirklich sehr leid, dass ich nicht am Freitag dabei sein konnte.
    Die Stoffe sind allerdings schon rausgelegt. Ich werde die Tage noch Decken bei Ikea bestellen, so dass ich dir in den kommenden Wochen hoffentlich auch meine genähten Werke zukommen lassen kann.
    Ich finde es toll, was du machst und das du darüber berichtest!!!
    Sei lieb gegrüßt
    Fanny

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  4. Hallo liebe Mimi!
    DANKE, für den tollen Bericht!
    Es ist echt super, was du alles bewirkst!
    Wünsch dir noch einen zauberhaften Sonntag!
    Ganz liebe Grüße
    Kathi

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  5. Du hast das wunderbar ausgedrückt und ich danke dir für diesen Bericht !
    Außerdem bewundere ich dich sehr, denn es ist nicht so selbstverständlich bei solchen Projekten mit zu machen.
    Eine gute Zeit weiterhin
    wünscht dir
    Jutta

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